Klimaneutrale / Klimapositive Kunst

Klimaneutrale / Klimapositive Kunst


Ich bin viel unterwegs mit meinen Installationen, um sie in anderen Städten unter freiem Himmel auszustellen. Ab und zu, wenn ich bei Wind und strömendem Regen hinter dem Steuer sitze, kommt mir der Gedanke in den Sinn, was für ein Segen es ist, mit Plastik arbeiten zu können statt mit Materialien, die dem Wetter nicht standhalten und zerstört werden.

Aber ist es wirklich ein Segen? Fragen Sie mal die Seeschildkröte, die sich in einem Plastiknetz verfangen hat und ertrinken wird. Oder die Stadttaube, die mühsam durch die Straßen humpelt, weil ihr Fuß von einem Knäuel alter Plastikfäden so eingeschnürt wurde, dass er abstarb. Oder die Menschen, die Fisch essen, weil das angeblich so gesund ist, und die nicht wissen, dass er Mikroplastik enthält, welches sie gleich mitkonsumieren.

Plastik ist überall – im Boden, im Wasser, in der Luft. Sogar im Weltraum. Wir können diesem von Menschenhand erschaffenen, gesundheits- und lebensbedrohenden Material nicht mehr entkommen. Und doch produzieren wir es nicht nur weiterhin, wir steigern noch die Produktion! Weiter und weiter, bis wir eines Tages von einer Tsunamiwelle aus Plastikteilen überrollt werden und ersticken.

Weil mir aber unser Planet mit all seinen Lebewesen wichtig ist, war es schon immer mein Ziel und eine Herzensangelegenheit, so wenig Müll und CO2 wie möglich zu produzieren. Leicht ist das nicht – speziell für mich als Künstler, da meine Installationen vielmals aus Plastik bestehen und zu Ausstellungszwecken oft in andere Städte transportiert werden müssen.

Mir ist diese Diskrepanz sehr bewusst, und ich versuche so gut ich nur kann, meinen Anteil an der Umweltverschmutzung streng zu limitieren und, wann immer möglich, sogar umzukehren. So arbeite ich beispielsweise häufig mit gebrauchtem Plastik oder Metallschrott von Flohmärkten etc., fahre ein umweltfreundliches Auto, benutze statt seiner das Fahrrad so oft es geht, produziere möglichst wenig Müll, nutze ausschließlich grüne Energie und achte auf mein Heizverhalten.

Diese Bemühungen, das Wohlergehen unseres Planeten zu unterstützen, klingen nach einer Menge Arbeit und persönlichen Einschränkungen. Aber das sind sie nicht. Ich halte mich regelmäßig an meine eigenen Vorgaben, und das hat weder meinen Job noch meine Freizeit irgendwann einmal spürbar beeinträchtigt. Kleine Dinge, kleine Bemühungen können so einen Unterschied machen! Zum Beispiel bei meinen Spaziergängen, die ich sehr gern unternehme. Es ist eine Kleinigkeit, im Vorbeigehen etwas Müll aufzusammeln. Das tue ich so oft ich kann, und mit der Gründung einer Aktionsgruppe Wir räumen die Welt auf 2018 (Neuer Name: Rhein-Patenschaften.org) auf Facebook habe ich sogar eine Menge Unterstützer gefunden. (Anbei die Fotoreihe „Ein Eimer Müll pro Tag“ und Bilder der von mir zusammengetragenen Müllschlange am Rheinufer Mahnmal 666 – Wie die Faust aufs Auge)

Apropos Rhein. Er fließt an der Stadt entlang, in der ich lebe, und es ist so schön, an seinen Ufern spazieren zu gehen. Doch manche Menschen sehen in der Uferböschung, dem Grünstreifen und den Wanderwegen einen perfekten Platz, um ihren Müll zu entsorgen. Um dieses Stück Natur sauber zu halten, habe ich eine neue Kampagne ins Leben gerufen: die Rhein-Patenschaft.org Wasser ist lebenswichtig, und die Flüsse und Meere sind keineswegs abgrundtiefe Mülleimer. Hilfe muss her, um die Wasserverschmutzung zu beenden, denn wir alle leiden unter deren Auswirkungen. Darum unterstütze ich die Organisation „The Honu Movement“, die durch Spenden neue Jobs finanziert für Menschen, die beim Einsammeln und Wiederverwerten von Plastikmüll helfen, der in den Meeren treibt. Im Januar 2022 habe ich einen Teil meiner Einnahmen aus dem Verkauf meiner Kunstwerke gespendet und so dazu beigetragen, 160 kg Plastikmüll aus dem Meer zu fischen (The Honu Movement Zertifikat).

Ich wollte damit einen Ausgleich schaffen für die Umweltbelastung, die Teile meiner Installation „It is like it is“ verursacht haben. Dieses Kunstwerk besteht aus 111 mit rotweißem Flatterband umhüllten Schaufensterpuppen und ist als Mahnmal für die Auswirkungen der Corona-Pandemie gedacht. Zusätzlich zu den Schaufensterpuppen hatte ich mehrere Plastikraben passend bearbeitet, die ich gelegentlich auch einzeln ausstelle. Leider wurden einige von ihnen nicht als Kunstwerk gesehen, sondern als Objekte, an denen man seine Zerstörungswut ausleben kann. Sie landeten im Straßengraben, in den Grünanlagen und sogar im Fluss. Auf diese Weise mag meine Kunst – restlos unbeabsichtigt – die große Menge giftigen Plastikmülls noch vermehrt haben, die in den Ozeanen treibt. Auch deshalb meine Unterstützung für „The Honu Movement“.

Doch es gibt noch mehr, was wir alle tun können, zum Beispiel die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen anstreben (oder sogar den Verbrauchsausgleich übertreffen und damit klimapositiv handeln). Zur Unterstützung dieses Vorhabens empfehle ich myclimate.org. Man erhält eine Urkunde für den getätigten Ausgleich von Kohlenstoffemissionen, so wie ich für fast 40.000 gefahrene Kilometer in 2020-2022. Klimazertifikat

Erlauben Sie mir zum Schluss noch den Hinweis auf eines meiner Kunstwerke, zu dem mich die Frage inspiriert hatte, was man tun könnte, um den Planeten zu retten: die Installation Bei diesem Klimawandel geht die Menschheit baden

Es gibt so viele gute Menschen – klug, nachdenklich, kreativ. Menschen, die verstanden haben, dass dieser Planet unsere einzige Heimat ist. Die begreifen, dass Hilfe gebraucht wird, damit unsere Kinder in einer gesunden, grünen Umwelt aufwachsen. Alles, was wir brauchen, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Bündelung unserer Bemühungen, einen Unterschied zu machen. Dann wird sich etwas ändern. Denn ja. Wir können das!